Die von GRAY 1838 beschriebene Gattung Egernia gehört innerhalb der - über 100 Gattungen bzw. 1000 Arten umfassenden - Scincidae als wohl größten Echsenfamilie überhaupt, zur wiederum „mitgliederstärksten“ Unterfamilie, der Lygosominae. Das Vorkommen der Gattung erstreckt sich über den gesamten australischen Kontinent, eine Art erreicht im Norden Neuguinea, eine andere stößt im Süden bis Tasmanien vor. Obwohl ein mit etwa 29 Arten sowie einigen Unterarten relativ kleiner Genus der Lygosominae, welche immerhin ca. 900 Arten und 73 Gattungen in sich vereint, weist Egernia doch eine enorme ökologische Flexibilität auf.
So reicht die klimatische Verbreitung vom tropischen Feucht- und Regenwald (z.B. E. frerei) über Buschland und Trockenwälder bis hin zu Savannen- und Wüstengebieten (z.B. E. kintorei) - ja selbst im alpinen Bergland (E. whitii) ist die Gattung präsent. Entsprechend variabel ist Egernia bei der Wahl der bewohnten Habitate: rein terrestrisch lebenden Arten (z.B. E. luctuosa) stehen arboricole Kletterer (z.B. E. striolata) gegenüber; es gibt sowohl psammophile, höhlengrabende und -bewohnende Spezies (z.B. E. inornata) als auch solche, die eine felsadaptierte, mithin saxicole Lebensweise präferieren (z.B. E. saxatilis). Einzelne können als Kulturfolger bezeichnet werden, andere scheuen die Nähe des Menschen und halten eine beachtliche Fluchtdistanz ein.
Infolgedessen verwundert es nicht, das sich die Diversität der Gattung auch in deren morphologischer Vielfalt wiederspiegelt. Habituell werden langschwänzige, eher „skinktypische“ Echsen mit glatten, ungekielten Schuppen von Arten, deren Schuppen jeweils einen oder mehrere Kiele aufweisen, ergänzt. Das Extrem bilden sehr kurzschwänzige, skurril anmutende Spezies (z.B. E. stokesii), deren Kiele sich - vor allem am Schwanz - in Folge der Defensivanpassung zu langen, spitzen Stacheln entwickelten. Die meisten Angehörigen von Egernia sind tagaktive, mehr oder weniger heliophile Tiere mit runden Pupillen. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel und eine der beiden nachtaktiven Arten (E. striata) bildete in Reminiszenz an ihre Lebensweise senkrecht stehende, elliptische Pupillen aus. Nicht zuletzt wird die phantastische Variationsbreite des Genus durch die vom - kaum 15 cm langen - „Zwerg“ (E. depressa) bis zum - mit über 70 cm Gesamtlänge und über einem Kilogramm Gewicht - größten und schwersten rezenten Skink (E. major) reichenden Größenverhältnisse unter Beweis gestellt.
Interessant ist auch das Sozialverhalten. Einige Arten scheinen Befürworter der monogamen Partnerbindung zu sein, andere bilden lockere Kolonien mit hoher Interaktion zwischen den Individuen. Allen gemeinsam ist die vivipare Fortpflanzung und eine überwiegend carnivore Ernährung, auch wenn der Speiseplan mancher Arten pflanzlich bereichert wird.
Neben der umfassenden Vorstellung der Arten im Einzelnen wird es Aufgabe dieser Seite sein, Wissenswertes in Form von Literaturhinweisen und Haltungsberichten zu sammeln, um Egernia langfristig zu größerer Popularität zu verhelfen. Angesichts des generellen Ausfuhrverbots Australiens erscheint es angebracht, den wenigen im europäischen Raum verbliebenen Tieren bzw. deren Haltern ein gemeinsames Forum zu bieten, da der Erhalt dieser faszinierenden Gattung für die Terraristik außerhalb Australiens von kontinuierlicher Zusammenarbeit abhängt. Der Schulterschluß zur Amateurherpetologie ist dabei durchaus gewollt.
Das dies seine Zeit dauert, ist wohl verständlich. Aber gut Ding will schließlich Weile haben. Für konstruktiven Kontakt sind wir jederzeit dankbar.
Michael Fricke & Patrick Soban